Vertragsverlängerung oder Kündigung: Was ist besser für mich?

Warum eine Kündigung ratsam ist − und was eine aktive von einer passiven Vertragsverlängerung unterscheidet

Vertragsverlängerung

Es ist eine der zentralen und zugleich auch wiederkehrenden Fragen: Soll ich meinen bestehen Handyvertrag verlängern − oder mir einen neuen Mobilfunk-Anbieter suchen? Na klar, wir von TARIFFUXX haben da unsere Meinung, sonst hätten wir ja auch keinen Vergleichsrechner für dich gebaut. Trotzdem laden wir dich ein, das Für und Wider einer Vertragsverlängerung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Außerdem möchten wir dich dafür sensibilisieren, welche guten Rechte du seit dem 1.12.2021 hast − und warum das einen Einfluss auf deinen nächsten Handyvertrag haben könnte.

Und zu guter Letzt sollte dir einfach klar sein, was passiert, wenn du vorzeitig deinen Vertrag verlängerst. Was bedeutet eine aktive Vertragsverlängerung für dich?

Gut zu wissen
  • Die Vertragsverlängerung wird bei Anbietern oftmals mit VVL abgekürzt. Solltest du ein VVL-Angebot zugeschickt bekommen, verrät bereits der Name: Das gibt's nur, weil du verlängerst
  • Neukunden-Aktionen sind in der Regel immer wesentlich besser als die Annahme eines Vertragsverlängerungsangebots
  • Nicht überrumpeln lassen: Solltest du wegen einer Vertragsverlängerung kontaktiert werden, prüfe erst einmal sorgfältig das Marktumfeld mit einem Vergleichsrechner. Womöglich hat sich in den letzten 2 Jahren seit Abschluss deines bestehenden Vertrags eine Menge getan
  • Keine Angst vor dem Verlust deiner Nummer: Wenn du kündigst und dein Vertrag endet, kannst du auch noch mindestens bis zu einen Monat danach deine bestehende Nummer in einen neuen Vertrag portieren
  • Wenn du aktiv einer Vertragsverlängerung zustimmst, beginnt die Mindestvertragslaufzeit von Neuem − und die meisten Anbieter möchten dich für 24 Monate binden

Handytarife: Ohne Kündigung mit stillschweigender Vertragsverlängerungsklausel

Vielleicht ist dir gar nicht bewusst, dass − solltest du deinen Vertrag nicht kündigen − eine automatische Vertragsverlängerung stattfindet, die auch als passive Vertragsverlängerung bezeichnet wird. Das bedeutet: Ein Vertrag läuft nicht aus, sondern wird zu den bei Vertragsschluss ausgemachten Konditionen weitergeführt (deshalb ist es auch ratsam, bereits bei Vertragsabschluss auf den Preis nach der Mindestlaufzeit zu schauen).

Seit dem 1. Dezember 2021 darf diese automatische Weiterführung nach der ersten Mindestlaufzeit jedoch maximal einen Folgemonat betragen, selbst bei Verträgen mit 24-monatiger Vertragslaufzeit (gilt für viele Handy-Angebote mit Vertrag). Es gibt also keine Knebelverträge mehr.

Diese stillschweigende Vertragsverlängerung ist so lange ungefährlich, wie sich die Konditionen nicht verschlechtern und die Verlängerung somit nicht ins Geld geht. Oder solange keine Leistungsvorteile wegbrechen (aktionsweise gewährtes Datenvolumen). Andererseits sorgt die bequeme Vertragsweiterführung natürlich auch für eine unterbrechungsfreie Versorgung: Ein Handyvertrag läuft nur dann aus, wenn er von einer der beiden Parteien auch gekündigt wird (einseitige Willenserklärung, was also theoretisch auch vom Anbieter ausgehen kann).

Aus finanzieller Sicht besteht aber oftmals individueller Handlungsbedarf, denn es lässt sich mitunter mehr herausholen, was ein Vergleichsrechner nun einmal schnell offenbaren kann.

Das Ziel der Anbieter ist es, dich in einen länger laufenden Handytarif zu ziehen − der dafür in den ersten Monaten besonders attraktiv ist und bei dem du keine Angst mehr haben musst, dass dieser dich beim Verpassen der Kündigung ein weiteres Jahr knebelt. Denn das gehört mittlerweile durch die Flexibilisierung der Kündigungsfrist der Vergangenheit an, was aber auch bedeutet: Vorzeitige − aktive − Verlängerungen mit Rabatten, geldwerten Vorteilen oder Treueboni sind derzeit stark angesagt, um dich als Kunde zu binden.

Stimmst du aktiv einer Verlängerung zu besseren Vertragskonditionen zu, läuft die Zeit von Neuem − und du verzichtest in der Regel sogar auf die womöglich noch bis zum Ende der ersten Mindestvertragslaufzeit ausgehandelten Rabatt- oder Leistungsvorteile (in Foren häufiger als »Rabattklau« diskutiert).

Dem begegnest du natürlich am einfachsten, indem du einen monatlich kündbaren Handytarif wählst, was aber nun einmal nur SIM-only, also ohne Handy, funktioniert. Und: Es gibt sogar monatlich kündbare Tarife, die nach 2 Jahren trotzdem teurer werden (wie klassische Zweijahresverträge).

»Strategisches Kündigen« für bessere Position bei einer Vertragsverlängerung

Du siehst schon: Eine Tarifoptimierung bzw- aktualisierung solltest du − egal, für welche Vertragsart du dich entscheidest − regelmäßig alle 24 Monate einmal vornehmen. Und nicht glauben, dass man mit einer einmal getroffenen Wahl auf Dauer »Ruhe« hat: Bequemlichkeit kann hier nun einmal ihren Preis haben. Daher möchten wir dich auch zu einem regelmäßigen Kündigungsturnus animieren.

Wie eine Auswertung (2021) des bekannten Kündigungsdienstleisters aboalarm.de gezeigt hat, wird ein Handyvertrag eben überwiegend nicht deshalb gekündigt, weil der Service lausig ist oder die Netzqualität schlecht − sondern um einer Verlängerung zu entgehen (30,1%), einen günstigeren Preis zu bekommen (24,4%) und bessere Bedingungen auszuhandeln (15,4%). Das wird in der Szene auch »strategisches Kündigen« genannt.

Vertragsverlängerung durch Rückholer-Angebot

Grundsätzlich raten wir bei 24-Monats-Tarifen ebenfalls dazu, den Vertrag zum Ende dieser Mindestlaufzeit auch zu beenden. Allein dadurch, dass du diese Kündigung aussprichst (und somit »ernst machst«), wird bei einem Anbieter dann der Kundenservice aktiv − und unterbreitet dir unter Umständen ein sogenanntes Rückholangebot, das dann aber eben auch zu einer aktiven Vertragsverlängerung (für meist erneut 24 Monate) führt.

Automatische Vertragsverlängerung vermeiden

Damit bekommst du eine erste Vorstellung davon, was deinem Mobilfunkanbieter deine Verlängerung wert ist. Klar, dass das nicht »der letzte Preis« sein wird, aber mit dieser Richtschnur kannst du dich bereits in unseren Handytarife-Vergleich begeben, die Tarifparameter eingeben − und nachschauen, was hier aktuell marktüblich wäre, wenn du bei einem Anbieter einen komplett neuen Vertrag schließt.

Auch wenn es vielleicht etwas kompliziert klingt: Mit der Kündigung versetzt du dich für neue Vertragsverhandlungen in eine bessere Ausgangslage − und durch die Pflicht zum Kündigungsbutton (seit 1.7.2022 gültig) ist das mittlerweile auch recht bequem geworden, es braucht also bspw. keinen Brief mehr.

Dabei solltest du auch keine Angst davor haben, dass deine Nummer verloren geht. Selbst wenn du dich (zu) spät kümmerst: Du hast noch einen Monat nach dem Vertragsende (oftmals gibt es sogar noch kulantere Regelungen bis zu 120 Tage) Zeit, deine alte Nummer in einen neuen Vertrag mitzunehmen. Hauptsache, du kündigst erst einmal.

Seit dem 1. Dezember 2021 haben Sie einen gesetzlichen Anspruch, die Rufnummernmitnahme auch noch bis einen Monat nach Vertragsende zu beantragen.

Solltest du allerdings schon längere Zeit bei deinem Mobilfunkanbieter unter Vertrag sein und einen der sogenannten mitwachsenden Tarife nutzen, heißt das: Mit einer Kündigung verzichtest du auch auf deine angesammelten Ansprüche.

Ob diese für dich wertvoll oder wertlos sind, ergibt sich Tarif-individuell, das lässt sich pauschal nicht sagen. Im Großen und Ganzen muss sich ein Wechsel für dich auch auszahlen, denn sonst müsste man sich gar nicht erst auf die Tarifsuche begeben.

Im März 2022 gaben laut einer Erhebung 24 Prozent der Befragten gegenüber der Unternehmensberatung Simon Kucher an, ihren Handytarif innerhalb der nächsten 12 Monate wechseln zu wollen. Rund ein Viertel setzt also auf eine Aktualisierung. Insgesamt ist aber nur 63 Prozent der Befragten klar, dass ihre (Mindest-)Vertragslaufzeit bereits abgelaufen ist und sie auch wechseln dürfen.

63 Prozent der Kunden ist bewusst, dass ihre Vertragslaufzeit abgelaufen ist, und sie jederzeit den Anbieter wechseln könnten. 39 Prozent geben an, dass sie dies bei einem guten Angebot der Konkurrenz auch tun würden

Aktive Vertragsverlängerung: Die Mindestlaufzeit beginnt von vorn

Eine aktive Vertragsverlängerung bedeutet, dass du sich selbst für eine neue Vertragslaufzeit an den Anbieter bindest. Oftmals tritt dieses Phänomen bereits während der Laufzeit − vorrangig zum Laufzeitende − auf. Dann wird dir bspw. ein neues Smartphone schmackhaft gemacht.

Schlägst du ein, verlängert sich dein bestehender Vertrag − im Fall hoher Prämien − sofort für oftmals weitere 24 Monate, bevor du aus deiner Vertragsbindung herausfällst und dann womöglich monatlich kündigen kannst.

Häufig wird die aktive Vertragsverlängerung vonseiten des Anbieters zeitlich weit vor Ablauf deines Vertrags lanciert − und dafür werden die Fristen, ab wann eine vorzeitige Vertragsverlängerung möglich ist, auch sukzessive heruntergesetzt, sodass du recht früh vorzeitig verlängern kannst.

Mitunter kommt es dann zu einer Konstellation, die mitunter auch als »Rabattklau« bezeichnet wird. Denn du verzichtest ja für die Restlaufzeit deines Vertrags auf die als Neukunde einmal eingelassenen Preisvorteile, wenn der aktiv verlängerte Vertrag sofort die bestehenden Konditionen überschreibt. Zum Ende der neuen Laufzeit kann dann noch eine Vertragslaufzeit offen bleiben, und die würde dann bei vorzeitiger Vertragsverlängerung bestehen bleiben (so hat es das Oberlandesgericht Köln am 28.5.2021 (Az. 6 U 149/20) veröffentlicht). Ein Kunde hatte dadurch effektiv einen 29 Monate lang laufenden Vertrag an der Backe.

Pro
  • Sehr bequem: Rufnummer wird beibehalten, kein »Wechselstress«
  • Verbesserte Konditionen (mehr Datenvolumen, Rabatt)
  • Bei Tarifen, die nach 24 Monaten sehr teuer werden, federst du diese Kosten ab
  • Auf Wunsch vergünstigtes Smartphone dazu
Kontra
  • Weitere Bindung für volle 24 Monate − du verzichtest damit auf dein monatliches Kündigungsrecht nach Ablauf der Mindestlaufzeit
  • Du verzichtest oftmals auf Neukunden-Konditionen

Passive Vertragsverlängerung: Automatische Verlängerung bei Nichtkündigung

Wer nicht kündigt, verlängert ungewollt automatisch. Dieses übliche Vorgehen nennt sich passive Vertragsverlängerung und benötigt logischerweise keine erneute Zustimmung, weil du zu Beginn ja allen Konditionen zugestimmt hast. Solange keine Kündigung ausgesprochen wird, läuft der Vertrag weiter − wobei dir nach der Mindestlaufzeit eine monatliche Kündigungsfrist zugestanden wird.

Solltest du mit deinem Vertrag zufrieden sein und auch der Preis im Großen und Ganzen noch stimmen, musst du natürlich nicht aktiv werden. Die Erfahrung zeigt uns jedoch: Oftmals ergibt eine regelmäßige Aktualisierung deines Tarifs Sinn.

Pro
  • Sehr bequem: Rufnummer wird beibehalten, kein »Wechselstress«
  • Wird dein Tarif nicht nach der Mindestlaufzeit automatisch im Preis erhöht, bleibt alles beim Alten
  • Durch das gesetztlich herabgesetzte Kündigungsrecht (nach der Mindestlaufzeit) hast du alle Trümpfe in der Hand und kannst jederzeit wechseln, wenn sich ein günstiges Aktionsangebot ergibt
Kontra
  • Je älter dein Vertrag wird, desto schlechter werden in der Regel die Konditionen
  • Vielleicht verschlechtern sich Konditionen nach der Mindestlaufzeit
Quellen

Letzte Aktualisierung: 10. Juli 2023